Pläne werden gemacht, um geändert zu werden

Unter diesem Motto kann ich vermutlich den Rest meines Lebens verbringen, wenn ich so weiter mache.

Wie so oft war der Plan einfach und zielführend - und wie so oft wurde nix draus. Zumindest nicht viel.

Dass man in diesem Land keinen Plan zuverlässig durchziehen kann, ist die wohl bestgelehrte Lektion hier.

Nachdem der Urlaub auf Bali zuende ging, ging die Arbeit wieder los. Wie geplant startete ich mit den Arbeiten zur Vorbereitung der diesjährigen Getreideernte. Die letzte Saison war in meiner damaligen Region zwischen Perth und Albany eine Katastrophe, daher wollte ich mich daran nicht nocheinmal aufhängen und habe mir mit diesen Vorbereitungen Arbeit in einer zuverlässigeren Gegend besorgt.

Was zu tun war, war wirklich kein Hexenwerk: in einer Gruppe aus Briten, Australiern (coole, nicht wie die vom Schiff), einem Neuseeländer, einem Estländer (ich hoffe mal, das sagt man so?) und eben mir haben wir die riesigen Abdeckplanen überprüft, geflickt und zu noch größeren Planen zusammengenäht- und geschweißt um diese dann zur laufenden Ernte dafür zu verwenden, die gewaltigen Berge aus Getreide gegen die Witterung abzudecken. Sehr einfache Tätigkeit und ich war sehr froh im Inneren einer Halle arbeiten zu können, anstatt draußen zu verbrennen.

Nach einem Monat war diese Sache auch gegessen und Phase 2 begann planmäßig. Besagte Berge von Getreide werden in stadionartigen Konstruktionen aufgehäuft und eben jene Konstruktionen (genannt "Open Bulkheads") haben wir aufgebaut. Dazu kamen wir mit dem zweiten Team der Wartungsarbeiten von vorher zusammen; darunter noch zwei junge Australier, ein Brite, ein Niederländer und ein ganzer Haufen Estländer. Coole Leute, die Freunde aus dem Nordosten, können arbeiten wie Tiere und saufen wie Ochsen!

Kann der Neuseeländer nicht von sich behaupten; der Kollege war regelmäßig nach der Arbeit voll. Dabei gab es jeden Morgen vor Arbeitsantritt einen Alkoholtest zu machen; dieses riesige Ernteunternehmen, für das ich letztes Jahr bereits gearbeitet hätte versteht da echt keinen Spaß! Auch einen allumfassenden Drogentest mussten wir schon vor der Planenwartung machen. Als der Herr dann einen Abend versuchte, voll wie ein Eimer in meinem Zimmer Micheal Jackson nachzumachen, sah ich ihn den nächsten Morgen schon vom Gelände fliegen, mitsamt lebenslangem Ausschluss vom Unternehmen. Was dann auch so kam.

Merke: selbst in Australien kann es passieren, dass eine Dose Bier den Job kostet.

Dieses Aufbauen dieser Bulkheads war echt übel. Längst war der "Frühling" eingekehrt und die Sonne brannte täglich mit über 30°C auf uns herab, hin und wieder mehr. Kein Schatten, nur lange Kleidung und ein Helm auf dem Kopf und reichlich Wasser, pisswarm aus dem Kanister, der seit Stunden in der Sonne stand.

Angetan habe ich mir das, weil es lukrativ war: neben vernünftiger Bezahlung haben wir mit täglich 12 Stunden auch viele Stunden zum bezahlt werden gemacht, dazu war, wie bereits bei der Planenwartung, die Unterkunft und Verpflegung gestellt (Bier mal außen vor). Beinahe kostenlos leben und dabei gutes Geld verdienen war GENAU das, was ich brauchte, also hab ich mich da durch gekämpft.

Passend zum Arbeitsalltag hat sich auch sehr fix ein Feierabendalltag eingependelt. Dazu zählte natürlich bei einem freien Wochenendtag hin und wieder mal in die Stadt und die Sau raus lassen! Geraldton war die Stadt, um die sich alles erstmal drehte. Neben dem Nachtleben einer australischen Kleinstadt, was so ganz anders ist als das, was ich aus Perth kannte, gab es auch Kontakt zu den Einheimischen. Als er noch da war, hat der Neuseeländer uns zu einem Massen-Tinderdate geschleppt.

Er hat das Foto seines Matches nicht mehr klar erkennen können, aber die Dame, die schätzungsweise 60kg schwerer war als in seiner Vorstellung direkt vor ihm dann schon - für seinen Gesichtsausdruck hätte man Eintritt nehmen können.

Der Rest der Damen waren eine minderjährige Göre mit Hakenkreuz auf dem Smartphone (und sie wurde nicht müde zu erwähnen, dass ihr Smartphone von einem Hakenkreuz geschmückt wird), eine Hochschwangere meines Alters ohne Gewissheit, wer der Vater is und eine relativ normale in meinem Alter, die mehrfach klar machte, dass die Schwangere ihr alles bedeutet und sie sie mit ihrem Leben beschützen würde - wofür sie ihr mit Zigarette um den Hals fällt.

Irgendjemand muss diesem Volk ganz, ganz dringend Bildung näherbringen.

Derartige Geschichten sind eigentlich eher banal und kaum erzählenswert, doch in einem Alltag bestehend aus fast nichts als harter Arbeit und Schlaf sind solche Abende das Einzige, was irgendwie als Erinnerung zurück bleibt...

Joa, und so vergingen die Wochen und Monate, bis die Arbeit schlussendlich getan war. Die Ernte war vorbereitet. Es konnte losgehen!

Nein..streng genommen konnte es nicht losgehen. Aus einem ganz einfachen Grund sogar: wegen heftiger Dürre und ungewöhnlich hohen Temperaturen bereits so früh (Erderwärmung, da war was) entwickelte sich das Korn nicht.

Der Termin wurde mehr und mehr nach Hinten verschoben und die Gesamtmenge tiefer und tiefer nach Unten korrigiert. So viel zur "zuverlässigeren Ernteregion". Nicht eeeiiiiin verdammter Plan funktioniert auf diesem Kontinent! Kein einziger!

Nun, diese Arbeiten waren erstmal getan und immernoch durchaus planmäßig ging es für mich mit dem Zug nach Kaloorlie, wo mein Fahrrad seit Monaten auf mich wartete, um es von dort nach Perth zu radeln, bevor die Ernte los gehen sollte. ZUFÄLLIGERWEISE ist Kalgoorlie die bis dato wichtigste Region für Bergbau und einige der lukrativsten Jobs warten nur darauf von Arbeitswütigen wie mir gemacht zu werden. Darunter auch simple Laborarbeit; wohlklimatisiert, kaum anstrengend und nicht in der Sonne. Meines Erachtens etwas unterbezahlt, aber das sollte mich nicht jucken, ich kam sehr einfach an diesen Job ran, weil ich den Vorgänger vom letzten Besuch bereits kannte und er mich einfach reinschleusen konnte. :)

Sicherer Job für die letzten Monate in der Tasche, die Finanzen längst auf Kurs "Erfolg" - meinem vorherigen Chef absagen war dann ein leichtes. Für ihn nicht so, hätte er noch etwas mehr geheult, wären seine Tränen aus meinem Handy gesickert. Dass Erwachsene so drauf sein können...dann auch noch Australier! Gerade dieses Volk ist Weltmeister im Bewerber-im-Argen-lassen und stets mit Informationen und Zusagen sparen, damit man auch ja immer leicht fallen gelassen werden kann. Nun spührt mal einer wie sich das anfühlt und dann sowas! Affig.

Diese circa 3 Monate in Kalgoorlie verliefen so ruhig, wie ein Arbeitsalltag verläuft. Ein kleines Wüstenstädtchen mit dem sogenannten "Megapit" (deutsch: Megagrube), einiger Bars und halb obdachloser Aboriginees.

Die Ureinwohner Australiens leben im ganzen Land zu sehr unterschiedlichen Bedingungen.

Im Norden hat ihr Volk jede Menge Land welches nur ihnen allein gehört und für dessen Durchquerung Erlaubnisse eingeholt werden müssen. So mussten wir zum Beispiel eine Erlaubnis haben, als wir mit dem Schiff zwischen einiger ihrer Insel im Norden fahren wollten um zu den Fischgründen zu kommen. Dort im Norden betreiben sie auch eigene Farmen für unterschiedlichste Tiere, darunter auch Krokodile für ihr Leder. Gutes Einkommen, gepflegtes Auftreten.

Überall sonst: völlg verwahrlost.

Nach dem Genozid an ihrem Volk ist Australien heute verpflichtet, jedem Aborigine bedingungslos Einkommen zu zahlen. Dieses Geld reicht vor allem für Drogen aller Art, Körperhygiene ist offenriechlich kein zentraler Punkt ihrer Kultur. Sie wollen nicht arbeiten gehen, also reicht das Geld nur zum Wohnen in ihren Ghettos, welche sie tagsüber verlassen um in der Stadt herumzusitzen, zu stinken und Leute anzupöbeln, wenn sie keine Zigaretten für sie haben.

Bald ändert sich dies übrigens abrupt: die Zahlungen enden und es werden Kreditkarten ausgehändigt, welche regelmäßig mit ausreichend Geld für Nahrung, Hygiene und Kleidung aufgeladen werden, allerdings nur und ausschließlich in Supermärkten funktionieren - der Kauf von Drogen aller Art ist damit unmöglich. Menschenrechtler laufen dagegen Sturm, ich persönlich finde allerdings, dass es deutlich mehr mit Menschenrechten zu tun hat, wenn man diese armen Leute vor ihrer Sucht beschützt.

Sucht ist für die Ureinwohner ein sehr sehr großes Problem: in ihrer kompletten Menschheitsgeschichte gab es in Australien niemals Zucker, Alkohol oder Tabak. Vor der Ankunft der Briten hat ihr Körper nie soetwas ertragen müssen - und konnte nie eine genetische Resistenz aufbauen. Nahezu alles, was der Westen in Australien eingeschleppt hat, hat unter den Ureinwohnern eingeschlagen wie eine Bombe, alles führt extrem schnell zur Sucht und sie kommen kaum mehr davon weg und versuchen aggressiv ihre Sucht zu bedienen indem sie mehr als nur betteln.

Öfters ziehen sie betrunken durch die Stadt und schmeißen Scheiben ein - ob was dagegen getan werden kann oder auch nur darf, weiß ich nicht. Aber man kennt es bereits.

Keine coole Situation, aber wir reden von einem Kontinent voller Leute, die sich wünschen, man hätte nach Tasmanien nicht aufgehört, sie auszurotten, also gönnen wir den Australiern mal einige kaputte Fenster!

Die Kneipen Kalgoorlies haben besonderes Personal. Die Thekenmädchen werden "Skimpies" genannt und haben fast nichts an. Das könnte toll sein, wenn man dabei auf das generelle Erscheinungsbild der Damen achten würde, aber die Damen treffen allgemein den australischen Geschmack; echt nicht meine Welt. Skimpies sind im Prinzip normale Thekenmädchen, die mit ihrem Aussehen und geheuchelter Zuneigung den beschränkten Minenarbeitern die Kohle aus der Tasche ziehen. Etwas mit den Titten wippen beim Bedienen, beim Bücken nach dem extra dafür weit unten im Kühlschrank platzierten Bier mit dem Arsch wackeln und die Herzen der Idioten fliegen ihnen nur so zu wie ihre Scheine. Gegen ein absurdes Trinkgeld wird für einige Minuten das Oberteil ausgezogen. Und dabei geht die Dame sogar weiter um andere zu bedienen! :D Unfassbar wird's allerdings erst, wenn die Damen Feierabend machen: ich konnte kaum glauben was passiert, als soeine vor mir auftauchte und mich mit ihren Titten wackelnd fragte, ob ich ihr was für ihre zwei Ladies in ihr Trinkgeldglas tue - und dabei redet sie von einem gewaltigen Einmachglas voller Scheine der Vollidioten vor mir.  Dass die Mädels bei mir auch nach Wochen noch enttäuschte Gesichter machten, wertete ich als Indiz dafür, wie viele Kerle da eigentlich wirklich was rein werfen. Nicht. Meine. Welt.

Und so zogen nocheinmal drei Monate ins Land, zusammen mit dem Radelman, welcher immernoch vor Ort war und arbeitete, zog ich hin und wieder durch das Fitnessstudio um unsere Radlermuskulatur auf Vordermann zu bringen, damit ich zu meinem geplanten Neustart meiner Weltreise einigermaßen brauchbare Beine haben würde.

Geplant? Nee, so gar nicht! Wie so viele andere Pläne wurde auch hier wieder geändert.

Schon früh musste ich feststellen, dass die Zeit, welche ich mir für Neuseeland als auch Südamerika eingeräumt hatte doch etwas knapp sein würde, also kappte ich die 2 Monate Australien von Adelaide nach Brisbane und addierte jeweils einen Monat an die Folgepläne.

Während des Aufenthalts in Kalgoorlie machten die globalen Medien auch deutlich, dass ich gut daran tat, denn wie wohl jeder mitbekam, stand die halbe Ostküste des Landes über 2 Monate lang in Flammen. Aller Abenteuerlust zum Trotz wäre auch mir das doch etwas zu viel gewesen :)

Ich als Zyniker mit Abneigung gegen Australien beobachtete die Situation im Osten mit diebischer Häme, wohlwissend um die Pläne des Landes, genau im besagten Osten die größte Kohlemine der Menschheitsgeschichte zu errichten; dafür wird ein eigener Industriehafen gebaut dessen Schiffsverkehr dem ohnehin beinahe zerstörten Great Barrier Reef den Rest geben wird.

Es bleiben echt nicht viele Gründe, dieses Land und die Menschen die dort leben zu mögen.

So lang ich auch drüber nachdenke, mehr als das Potential zum Geld verdienen fällt mir wirklich nicht ein...

Irgendwie finde ich es schade, den Leuten nicht länger Gelegenheit zu geben mir zu zeigen, dass sie mehr sind als nur unkultivierte Rassisten mit Bildungsdefizit, aber es geht ja nicht anders.

Anderthalb Jahre - abzüglich 2 Monate auf Bali - Australien gingen zuende. Davon 9 Monate arbeitend, habe ich mit absolutem Erfolg dafür Sorge getragen, dass die Zeit "danach" finanziert sein würde! Der wohl einzige aufgegangene Plan in diesem Land. Der Wichtigste, auf den es letztendlich ankam :)

Ausgerechnet das Land, in dem ich mit Abstand am meisten Zeit verbracht habe und werde, nimmt mit vor Stolz erhobenem Haupt Platz auf dem Podest meiner Liste an Ländern, die ich niemandem für mehr als nur Geld verdienen empfehlen würde. Genauso hoffentlich muss ich nie wieder so negativ über ein Land berichten.

Da bin ich guter Hoffnung, denn ich werde Länder mit wunderschöner Natur bereisen, Menschen mit Kultur und Bildung kennenlernen - und etwas essen können, was Geschmack hat.

Schlechter werden kann es kaum, und Neuseeland läutet den Neustart in die zweite Hälfte meiner Weltumrundung ein!

Wir sehen uns in einem neuen Jahr voller neuer Länder und Geschichten,