Solch ein kleiner Ort enthält mehr "China" als Xian, Beijing und Shanghai zusammen.

Etwas wehmütig musste ich Fenghuang doch ein wenig früher verlassen als gewollt, doch was folgte war wirklich nicht schlechter. Wieder ein Naturschock. Viele kennen ihn aus dem Kino, ich hab's mit eigenen Augen gesehen:

die "Avatar Mountains", Zhangjiajie.

Atemberaubend, nicht? :)

Gut, Spaß beiseite. Dies ist ein Bild von dem Nebel, welcher meinen Blick auf einen anderen Teil der Landschaft verwehrt hat. Den ersten Tag habe ich den Tianmen Shan beklettert, von dort ist ein ähnlicher Ausblick möglich. Ob dieser Berg auch heilig ist, habe ich noch nicht herausgefunden.

"Den Kopp in den Wolken haben" hatte an diesem Tage seine eigene Bedeutung. Entsprechend auch der Ausblick auf das "Himmelstor"; erfolgreiche Fotographien an besseren Tagen von professionellen Fotographen sind haufenweise bei Ecosia zu finden. Naja, die Treppe konnte ich sehen, da stand ich ja drauf. :)

Glücklicherweise war die Wetterlage den nächsten Tag gut - genau an dem Tag, an dem ich WIRKLICH die "Avatar Mountains" durchwanderte...

Da sind sie wieder...die Ausblicke, wegen denen man Tränen in den Augenwinkeln sitzen hat. Oder war es der Treffer mit dem Selfiestick? Ich weiß es nicht mehr, da oben war die Hölle los! Auch mehr als eine Woche nach der goldenen trieben sich viele einheimische Touristen rum und schlugen mit Schirmen und Selfiesticks um sich.

Der Asiate ist wirklich ein Volk, welcher seine Reise zu schätzungsweise 80% auf dem Bildschirm seines Smartphones erlebt.

Doch der Trubel sollte schnell enden. Meine letzten Ziele im schönen Teil Chinas liegen zu dieser Jahreszeit für die meisten zu weit oben im Gebirge.

Eigenartig...brüllt die Sonne, packt der Chinese einen Regenschirm aus, um sich zu schützen; wandert er auf einem angenehm zu besteigenden Berg, rüstet er sich aus, als würde er den Everest erklimmen und hat nach 300m die Allwetterjacke und Sturmüberzieher für die Hose im Rucksack und schlürt die Hightech-Wanderstöcke mit sich rum; wenn es regnet hat er keinen Regenschirm bei sich sondern einen pinken Poncho mit Animefiguren drauf...wenn es einfach nur keine 20°C und trocken ist, friert er sich den Hintern ab und bleibt einfach weg?!

Umso besser, so hatte ich meine Ruhe: in Lijiang und Shangri-la, tibetischem Grenzland!

Schon das Grenzgebiet zu Tibet hin ist ein anderes China. Nicht nur landschaftlich und mit kulturellen Unterschieden, auch menschlich.

Die Tibeter sind ruhiger als die übermodernisierten Tieflandbewohner und strahlen das förmlich aus. Auch die Gastfreundschaft zeigt sich hier nochmal anders. Im Rest Chinas bin ich hin und wieder zu einem Essen vom Chef eingeladen worden. Dies beschränkte sich allerdings auf die abgelegenen Orte irgendwo im Nirgendwo.

In Shangri-la sieht das anders aus, die Leute dort leben mittlerweile vom Tourismus und könnten auf mich, nur einen von vielen westlichen(!) Touristen pfeifen - taten sie aber nicht!

In meinem Lieblingsrestaurant in der Nähe des Hostels gab es die besten Nudeln mit Yakfleisch. Serviert von der kleinen Tochter der Chefin. Beim dritten Besuch unterhielten die Kurze und ich uns, bis mein Essen kam; 10 Minuten Englischunterricht für die Kellnerin. Diese Nudelsuppe ging auf's Haus, als Dank für das Englisch.

Holla, besten Dank!

Wo wir wieder mal von Essen reden: ausgerechnet in der Bergluft des Landes bekam ich plötzlich Appetit auf eher abgedrehtes Zeug, dem ich bis dato aus dem Weg gegangen bin. Fast überall in China finden sich Street-Food-Märkte, auf denen man reichlich ungewöhnliches probieren kann - dem tat ich dann eben in Lijiang, wenn auch nur eine Kleinigkeit.

Leckerer Tintenfisch! Wäre auch 'ne Nummer größer gegangen, wie man sieht. Wobei ich mich frage, wieso derartige Ungeheuer, die solch riesige Fangarme haben statt in einem Naturkundemuseum auf einem Teller landen...außerdem frage ich mich, seit wann ich schiele!

Shangri-la war das Ende der Liste meiner südwestlichen Highlights Chinas; für noch ein oder zwei mehr fehlte dann doch etwas die Zeit, bzw. ich wollte sicherstellen, rechtzeitig das Land zu verlassen, bevor ich aus welchen unglücklichen Zufällen auch immer Probleme dabei bekommen hätte. Dazu ging die Reise direkt nach Nanning zurück, wo dann mittlerweile der Herbst Einzug hielt und es deutlich abgekühlt und abgetrocknet hatte.

Die zwei Tage Strampelei bis zur Grenze Vietnams sind nicht weiter erwähnenswert, nur, dass sich Palmen, große Spinnen und Schlangen anfingen zu häufen (nein, ich meine nicht häuten - ja, Spinnen häuten sich auch).

Drei Monate China. Allein in diesem einen Land verbrachte ich im Reiseverlauf mehr Zeit als in ganz Europa - es zu verlassen war wie der Abschluss eines eigenständigen Kapitels.

Viele Vorstellungen und Träume verband ich nur mit diesem einen Land, einige wurden erfüllt, andere enttäuscht, neue kamen  mit der Zeit vor Ort dazu. Ich habe viel gelernt.

Nun, ein Shaolin ist aus mir nicht geworden. Nichtmal ein Schüleranwärter. Doch das lässt sich auf das Leben nach der langen Reise aufschieben :) Träume können ewig geträumt werden, der wichtige Part ist, sie nie aus den Augen zu verlieren und dran zu bleiben - irgendwann findet man sich plötzlich inmitten der Erfüllung und merkt es vermutlich nichtmal sofort.

Ein genialer Koch der chinesischen Gesundheitsküche ist aus mir auch nicht geworden - doch bietet auch der Rest Asiens mehr als genug Gelegenheit, sich dies anzueignen.

Nun aber liegt erstmal eine neue Zeit vor mir. Südostasien erstreckt sich tausende Kilometer auch über Inselwelten bis an den Rand Ozeaniens mit all seinen Wundern aus Kultur, Natur, Koch- und Kampfkunst - Vietnam macht den Anfang. Entlang der Küste sehe ich es schon: Sommer (naja...gefühlt, es ist Herbst), Palmen, Sonnenschein. :)

Ich bin bereit!