Da ich noch lebe heißt es, dass offenbar kein Nachfahre der alten Shinobi Kultur einen mich betreffenden Auftrag hatte. :)

Von Iga aus fuhr ich über Nagoya einen Bogen entlang der Küste bis der Aufstieg zu einem der bekanntesten Berge der Welt begann: der Fujiyama! Natürlich geht es mit dem Rad nicht ganz hoch und ich hatte nichteinmal die Motivation dort höher als das Örtchen Fujikawaguchiko zu steigen, denn zu der Jahreszeit ist es noch recht kalt dort oben.

Einen Tag lang entspannte Abfahrt später fand ich mich auch schon in Tokyo ein. Leicht zu erahnen, welche Worte mir zu soeiner Stadt zu entlocken sind: "Beton-Glas-Stahl-Wüste".

Nun, die Stadt hat einen kaiserlichen Garten, welcher unspektakulärer kaum sein könnte und ein Stadtviertel in dem sich die Cosplay-Szene (Leute die sich als Animefiguren verkleiden) konzentriert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Städten dieser Größe und Art gebe ich prinzipiell nicht viel Zeit, denn ich habe nunmal keine Erwartungen. In Tokyo allerdings hatte ich diese eine Spezialität vor Augen: ein Absurdium wie es nuuuur in Japan vorzufinden ist!

Mein Couchsurfing Gastgeber war genauso peinlich berührt mir den mit breitem Grinsen vorgetragenen Wunsch zu erfüllen wie ich, als wir hinein gingen.

Ein Maid-Café.

Beweise gibt es keine. Ich erzähle dazu nur drei Dinge:

1. das könnte die japanische Variante des Junggesellenabschieds sein

2. mir ist das heute noch peinlich, aber das war ein Klischee welches ich mir erfüllen musste

3. ich konnte kaum aufhören zu wiehern

Genug davon! :'D

Von Tokyo aus lag es auf der Hand ziemlich stur nach Norden durchzuziehen, was ich auch tat.

Weitesgehend nicht viel zu sehen, von Tokyo bis in den Norden der Hauptinsel. Lediglich Aizuwakamatsu, ehemalige Hochburg aus der großen Zeit der Samurai war es absolut wert die eher eben verlaufende Straße für einen hübschen Aufstieg in's Gebirge zu verlassen!

Dieser "Garten" wirkte auf mich mehr wie das Projekt eines Azubis in der Landschaftsarchitektur, ist aber eine grüne Oase inmitten der Megametropole

Wie jeder Berg hatte auch dieser natürlich seine Rückseite zur Abfahrt zurück auf meine Route und ich fand mich recht bald in Sendai ein, ohne zu wissen dass diese Stadt offenkundig bekannt ist. Wofür genau weiß ich bis heute nicht - das typische Schloss und ein Park voller Kirschbäume. Hier allerdings versammelte ich mich mit fast dem ganzen Hostelpersonal, Gästen und Bekannten der Einheimischen zum klassischen "Hanami", dem Picknick unter den Kirschblüten. Snacks, große Speisen, Getränke und Alkohol - am hellerlichten Tag inmitten der Öffentlichkeit welche es nicht wirklich anders hält. Japan zeigt sich zu dieser Zeit wirklich von einer Seite, die man sonst weniger erwartet! :)

Aus der Süßigkeitenabteilung:

eine Tüte, in der man auch Weingummi vermuten könnte voll mit kompletten, winzigen, getrockneten Fischen.

...kann man mal probiert haben.

Schmecken, wie die Aquariumabteilung der Zoohandlung riecht

Während der Fahrt nach Norden wird allerdings schnell deutlich, dass meine ersten Pläne umgebaut werden.

Die Nordinsel Hokkaido mag vom Naturell durchaus schön sein, aber die zwei oder drei Städte die ich mir ansehen wollte haben nach Internetrecherche nix zu bieten - zumindest nix, wofür ich bis zu zwei Wochen und zwei kostspielige Fährfahrten auf mich nehmen würde. Also würde ich früher abbrechen.

Dies geschah dann in der im ganzen Land beliebten Stadt Hirosaki, kaum einen halben Tagesritt vom nördlichsten Zipfel der Hauptinsel entfernt!

Ebenfalls deutlich wurde der Umstand den Frühling abzuhängen und dem Winter hinten drauf zu fahren...so weit im Norden lag die volle Blüte noch mehr als eine halbe Woche in der Zukunft und die Stadt mal eben das teuerste was ich soweit auch nur GESEHEN habe.

Trotz fehlender voller Blüte genoss ich den Ausblick auf Sehenswertes und versuchte mich von den harten Tagen zuvor zu erholen, denn mir stürmte ununterbrochen ein Gegenwind, wie ich ihn zuletzt in der Karakum erlebte entgegen.

Währenddessen gelang mir jedoch endlich, die 15.000km Marke zu überschreiten und so tat es zumindest nicht ganz so doll weh zur Feier ein teures, aber schönes und traditionelles Ryokan mit thermalbad nehmen zu müssen. ("Müssen" ist ernst gemeint, das war noch das bezahlbarste in der ganzen Stadt....)

Just am Tag der Ankunft überholte ich noch zwei Radreisende aus England - Darren und Health (so habe ich zumindest ihren Namen verstanden) auf ihren Dreirädern! Sehr interessant, im Zusammenhang mit Langstreckenfahrten habe ich das noch nie gesehen. Sehr gemütlich in einem großen Sessel hinter dem das riesige Gepäck verstaut ist. Vollgepackt mit der Technik, die man auch von herkömmlichen Rädern kennt - nicht schlecht!

Behalte ich im Hinterkopf, wenn ich mal in Norwegen bin und gerne ohne Auto durch den Winter kommen möchte ohne mir den Hals zu brechen :)

Das Radfahren in Japan ist übrigens soeine Sache.

Japan ist seit langer Zeit das erste Land meiner Reise, in dem es ausgewiesene Radwege gibt - zumindest nennen die Japaner das "Radwege", wir Europäer würden das als "Agrarfläche" bezeichnen und dort Gemüse anbauen.

Ohne Witz, in diesem reichen Land mit dem mal eben zweithöchsten Lebensstandard der Welt gleicht die Nutzung der Radwege dem Elefanten im Radladen!

Viel zu viele unnötige und zu hohe abgesenkte Bordsteine, der Beton ist holprig und Japan versäumt es mehr als nur sträflich, den Rollsplitt des Winters zu entfernen. Unablässig treffen mich Kiesel an den Beinen und ich treffe dauernd alles um mich herum mit den Steinen, denen ich nicht ausweichen kann / möchte.

Schnell war klar, dass diese Wege grundsätzlich zu ignorieren sind, doch das ist leider nicht immer möglich. So haben wenige Tage(!) in Japan mehr Schaden an meinem Gefährt angerichtet als ein Jahr in der Welt davor. Das Geholpere belastet Schrauben, diese reißen und ihre Einzelteile fliegen zusammen mit speziell eingepassten Distanzstücken unauffindbar in die Botanik. Vieles ist weg ohne einfach ersetzt werden zu können...

Später fingen sogar die Aufhängungen der Taschen an zu Schwächeln!

Die südostasiatischen Hauptstraßen hatten keine Radwege - aber sie waren gut und breit, ununterbrochen gute Fahrbahn, doch hier...

Ein Schaden allerdings bleibt wirklich nicht ganz folgenlos und ich muss zugeben, dass das nicht Japans Schuld ist: der Ständer, welcher immer und immer wieder das Gewicht des abgestellten Rades mitsamt Taschen oben drauf bekam war stärker - als der Rahmen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Stelle, wo der Ständer mittels zwei Schrauben im Rahmen befestigt war ist heute ein Loch. Das Fahrrad stand beim Frühstück neben mir und lag plötzlich auf der linken Seite, was der Ständer ja verhindern sollte.

"Ständer und Radreise" ist wohl ein nicht unbekanntes Problem...ich hab davon leider erst auf die unangenehme Tour erfahren. Laut Hersteller ist das aber keine belastete Stelle, also kann ich erstmal weiter fahren, doch Ersatz für den kompletten Rahmen muss her!

Der Garantiefall wird im Ausland abgewickelt, man wird mir einen neuen Rahmen in eine Stadt schicken, in der ich in Zukunft ankommen werde - nicht zu früh, nicht zu spät (hoffentlich!). Mal sehen, was das wird...

Im Groben und Ganzen ist mein Fahrrad allein durch die Kilometer in Japan zu einer Baustelle geworden! Viele Schrauben brechen angesichts der Mountainbike-Tracks die man hier manchmal fahren muss, die Distanzstücke sind nicht einfach mal eben zu ersetzen und sogar die Bremssättel haben einen mitbekommen. Und nun natürlich noch der Rahmen...

Wenigstens kann man sich den Alltag des Radelns hierzulande recht gemütlich gestalten.

Hauptanlaufstellen sind die Supermarktketten wie SevenEleven, Family Mart und Lawson, soetwas wie LIDL und ALDI. Dort gibt es neben allerlei Gemischtwaren auch Leckeres aus der Bäckereiabteilung und heißen Kaffee.

Dort erhalte ich auch stets Getränke und alles, was ich mir für die Zeltnächte zum Abendessen mitnehme - meistens koche ich mir Udon mit einer wechselnden Pastasoße :)

Diese Supermärkte haben manchmal auch Sitzecken, welche ebenfalls leider nur manchmal mit Steckdosen ermöglichen, sich vor einem heftigen Regenschauer zurückzuziehen und die Akkus laden zu lassen, da die Solarzelle an diesen Tagen natürlich streikt.

Mittags bietet es sich meistens an in Restaurantketten wie Yoshinoya oder Sukiya zu essen: diese bieten Donboris in verschiedenen Ausführungen und Größen an welche dazu noch preiswert sind! Mein Favorit ist das Donbori mit Fleisch und mit Käse drüber - überraschend deftig für ein japanisches Gericht!

Wer denkt, er wäre in Japan im Internet-Wunderland, der täuscht sich. Mobile Daten kosten ein Vermögen!

3GB für zwei Wochen: circa 25€ !

Kostenloses Internet für das Nötigste an Funktionen wie Nachrichten versenden und Wetter-App findet sich extrem selten. Die beiden Engländer, denen ich begegnet bin haben mir von einer günstigen SIM Karte erzählt, ich fand aber noch keine Möglichkeit an soeine heran zu kommen.

Wenn man nicht gerade wie ich jeden Tag Gegenwind hat und dieser dann noch an die Karakum erinnert, könnte Japan ein supertolles Radreiseland sein, wenn diese "Radwege" nicht wären!

Naja. Meistens lassen sie sich ja ignorieren.

Meine Radreise hier ist allerdings noch nicht zuende - die Pläne haben sich geändert!

Ursprünglich wollte ich vom Norden Japans aus zurück in die asiatischen Tropen, doch dahin kriegen mich keine hundert Hengste mehr zurück. Stattdessen genieße ich erst noch eine Weile die relative Kühle Japans, bevor es wieder heiß wird.

Der Süden Japans hat noch was zu bieten und das will ich sehen! 180° Wende (welche auch der Wind machen wird...) und Abfahrt bevor der Sommer kommt und es dort unten zu heiß wird!