Besagter Sturm wäre übrigens Rückenwind gewesen, hätte der genannte Regen in Queenstown nicht die Straßen zerstört.

Über Invercargill, der nächsten Großstadt gelangte ich nach Te Anau, was zuvor von Queenstown aus mein nächstes Ziel hätte sein sollen. Die Straße durch die Berge nach Milford Sound, einem beeindruckenden Fjord, war auch zwei Wochen später noch kaputt, also fiel eine der größten Attraktionen des Landes einfach mal aus. :(

Die Südküste am Pazifik ist so ziemlich die südlichste Gegend, die ich auf der Welt soweit erreicht habe

Der Takahe ist einer der vielen flugunfähigen Laufvögel Neuseelands und einer der Verwandten des für das Land so symbolischen Kiwis

Der See, an dem Te Anau liegt

Ohne Milford Sound besuchen zu können, führte mein Weg mich zurück nach Queenstown, diese Straße war nun wieder passierbar und lag auf dem Weg zurück nach Wanaka, von wo aus man am Ehesten an die Westküste gelangen kann.

Queenstown, die Zweite; und diesmal mit gutem Wetter!

Ich, degradiert zum Insektentaxi in die Stadt :(

Queenstown präsentierte sich in aller Pracht. Gelegen in einem Talkessel mit See blickt man in jede Richtung auf Gebirge, welches sich im Wasser spiegelt, wenn eines der vielen Touristenboote die Oberfläche nicht grad aufwühlt.

Für mich persönlich allerdings ist der lokale Vogelpark natürlich DIE Attraktion schlechthin! Nicht nur lassen sich dort einheimische Vögel in großen und liebevoll ausgelegten Gehegen betrachten, man kann auch viel über Zusammenhänge mit Umwelt- und Artenschutz lernen.

Neuseeland ist, genau wie Australien nicht mehr unbedingt offen für die Einfuhr ausländischer Lebensformen, wenn man von Touristen mal absieht. Die haben ja Kreditkarten.

Vor langer Zeit brachten die britischen Siedler Hermeline, Opossums, Ratten, und Ähnliches nach Neuseeland und setzten die einheimischen, an den Boden gebundene Vögel völlig neuartigen Fressfeinden aus, was sie an den Rand der Ausrottung brachte. Heute stört sich niemand an den Abertausenden von Kadavern auf der Straße, hinterlassen vom Überlandverkehr in Kollision mit genannten Säugetieren. Alle sind ausdrücklich ermuntert Pelzprodukte zu kaufen - überall ein Unding, doch hier werden keine Tiere dafür gezüchtet sondern wildlebend gefangen um die Kiwis und ihre Verwandten zu retten, was finanziert werden muss. So hängen überall mittelgroße Händler voll mit Winterkleidung aus Wildfell und Pelz.

Die Gefolgschaft der Kamera

Erstaunlich viel Inhalt und Gefühl von "Reisen" für eine Stadt. Soetwas hatte ich in Ozeanien zuvor noch nicht.

Ein Gefühl, welches bald für eine Weile Dauerzustand werden sollte: kurz nach Queenstown war ich zurück in Wanaka und trat dann meinen Weg über den Haast-Pass an die Westküste an. In diesem Bereich wurde viel Urwald stehen gelassen und zusammen mit Laurent, einem belgischen Weltenradler, den ich unterwegs kennenlernte, erkundete ich die Gegend mit einigen Seen sowie Franz-Josef, gelegen am Franz-Josef-Gletscher, von dem nicht mehr viel übrig ist. Doch der Weg bis dorthin ist gar nicht mal übel anzusehen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Leider war diese schöne Zeit inmitten beeindruckender Schönheit der Natur nicht ohne Ende. Nicht weit hinter Franz-Josef wurde Neuseeland erneut zum Ewigen Trist aus Schafen und Kühen, was sich bis kurz vor der Küste zur Fähre an die Nordinsel hinzieht. Einige Tage Pause in schöner Umgebung von Motueka bis Picton verband ich mit Technik: nachdem ich vielen anderen Radreisenden mit Klickpedalen, welche die Leistung bei gleichem Aufwand um bis zu 30% steigern können begegnet bin, entschied ich prompt, dem auch eine Chance zu geben. Anfangs war ich dem gegenüber skeptisch; ich war noch kein erfahrener Langstreckenradler und Pedale, an denen ich meine Füße fixiert hätte, waren mir wegen unbekannten Abfahrten und chaotischem Straßenverkehr zu heikel. Nun, meine Erfahrenheit war durchaus neu zu beurteilen, seit Teheran von Straßenverhältnissen nie wieder beeindruckt worden und in Südamerika wäre mir jede Leistungssteigerung höchstwillkommen - es war an der Zeit dafür! Und so wanderten meine bis dahin bereits 25.000km weit gekommene Standardpedale in die Tasche und machten Platz für die Moderne.