Ablehnung

Während ich im Zug von Tabor nach Linz sitze, fliegt die Grenze zwischen Tschechien und Österreich an mir vorbei - die zweite Grenze gleich ohne Fahrrad. Zusammen mit der Grenze auch all die Landschaften, die ich mit dem Fahrrad sehen wollte, anstatt sie in Sekunden in bunten Streifen an mir vorbei rauschen zu lassen.

Das gleiche gilt für die Welt zwischen Linz und Wien.

Mann, wie ich mich schon in Tschechien darauf gefreut habe, österreichisches Couchsurfing zu genießen!

Wenn vergangene Winterurlaube in Österreich eines gelehrt haben, dann, dass die Österreicher wissen, wie man anständig isst! Zum Frühstück riesige Brötchen mit dickem Belag aus verschiedenen Sorten Wurst und Käse, leckere Marmeladen und frisch gekochte Eier aus dem kleinen Hühnerstalll um die Ecke...kaum zu schaffende Portionen von Schnitzeln mit Pommes und einem Weizenbier zum Abendessen.

Die Vorfreude lag nicht nur im Genuss, sondern auch des Lernens, denn ich will ja auch auf Reisen etwas Kochen lernen.

Aber wie die Geschichte aus Tschechien verrät, sagen die Knie ersteinmal "Nein!".

Und so fliegt fast ganz Nordösterreich nur so an mir vorbei und ich lande im Nullkommanichts in Wien.

Zu Wien habe ich eine geteilte Meinung.

Erstens: Wien ist wunderschön!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweitens: Wien hat das bescheuertste Radwege-System, welches man sich ausdenken kann.

Sicherlich ist es Gewöhnungssache und es ist durchaus positiv zu betrachten, dass Wien sich überhaupt Gedanken über die Zukunft des Radfahrens in der Stadt macht - aber das Ergebnis ist so einzuordnen, dass mir fast Stirn weh tat, so oft musste ich mir deswegen davor hauen.

Schwer zu erklären, wieso, das muss man erlebt haben.

In Wien hatte ich fast eine Woche Aufenthalt. Freitag Abends Ankunft, Montag morgens die Behandlung meiner geschundenen Knie. Fast den ganzen Rest der Woche Pause in Wien. Mehr als genug Zeit, um sich umzusehen und die Sehenswürdigkeiten abzuklappern!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der weitesgehenden Genesung der Knie konnte es ruhig weiter gehen. Leider hatte Österreich nicht mehr allzuviel zu bieten, denn auf der Route über Graz nach Slowenien lagen wirklich keine majestätischen Berggipfel und spektakulären Landschaften - noch seltener, nämlich genau gar nicht, gab es Gastgeber für Couchsurfing.

Ich weiß nicht, woher das kommt, aber innerhalb Österreichs scheint es unmöglich zu sein, bei Einheimischen unterzukommen. Reaktionen auf Anfragen dauern zu lang, oder die Leute sind einfach mal Monate nicht eingeloggt. Manche Fälle waren grad selbst unterwegs. Dementsprechend also absolut keine Chance, nationale Küche zu lernen. :(

Kleinen Trost spendete Graz. Zumindest eine weitere Stadt, in der man für seinen Aufwand Entlohnung findet:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So bestand Österreich leider irgendwie nur aus Wien, Graz und Arbeit auf zwei Rädern. Nichtmal dem Training der eigenen Capoeiragruppe konnte ich beiwohnen - aus Gründen. Während in Wien und Graz die Sonne schien, war sie für die Tage, in denen ich unterwegs war wie abgeschaltet. Regen wie bestellt...

Unter'm Strich also keine Zeit, die mir lange und mit Gänsehaut auslösenden Erinnerungen im Gedächtnis bleiben wird. Kulturell aber durchaus wertvoll! Außerdem hatte ich Gelegenheit, einen Haufen cooler Leute in den Hostels kennen zu lernen.

Naja...für einen Lacher war Österreich dann doch gut: ein Foto vom österreichischen Nationalschild an der Grenze zu Slowenien - falsche Richtung und falsche Grenze, aber im Album darf's einfach nicht fehlen! :)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnell weiter nach Slowenien, neuen Ländereien und hoffentlich vielen Belohnungen! :)

Rückenwinde,