Doch aus meiner Haut fahren kann ich nicht; wie jede andere Großstadt konnte Seoul mich nicht sonderlich lang halten und ich begab mich auf den Klassiker unter Radreisenden in Südkorea, die Flussradwege. Es gibt einen solchen Radweg der mal eben etliche Hundert Kilometer entlang eines Flusses verläuft und Seoul mit Busan verbindet. Hunderte Kilometer Radweg sehen in etwa so aus:

Da hat Südkorea sich echt was geleistet! Ein gewaltiges Stück Infrastruktur fast ausschließlich für Fahrradfahrer und Fußgänger! Hunderte Kilometer zu 99% flach wie ein Billardtisch.

Diese Radwege führen unter anderem durch die Städte des Landes in denen auch endlich die kulturellen Schätze des Landes versteckt sind, zum Beispiel Andong, Gyeongju, Chungju-si, Jecheon und Daegu. Und so bekam meine Entdeckungsreise durch das Land auch endlich den gebührenden Anteil "Asien".

Im Groben und Ganzen ist aber wirklich nicht viel von soetwas zu sehen.

Warum genau haben die Asiaten jemals aufgehört, sich solche Häuser zu bauen? Ich könnte von diesem Anblick nie genug bekommen.

Jedoch haben die Moderne und das Christentum (in Südkorea ist das Christentum vorherrschende Religion) das Land kulturell beinahe entwurzelt. Tempelanlagen sind extrem selten, die gezeigten Beispiele sind restaurierte Reste der Überbleibsel des Besitzes hoher Persönlichkeiten, welche mit Religion selten was zu tun haben.

Mit meiner leichten Enttäuschung von Korea bin ich längst nicht allein, wann immer ich andere westliche Touristen getroffen habe gleichten sich die Ansichten über das Land. Jeder hätte mehr "Asien" erwartet.

In Korea ist übrigens die Nähe zu China dennoch kaum zu übersehen; der oftmals erwartete Mix aus China und Japan trifft eher selten zu. Die Nähe zu China definiert sich dabei vor allem durch die Küche. Jajang-Myeon, das klassische Nudelgericht Koreas basieren auf einer sehr dicken Bohnenpaste auf den für China typischen Zieh-Nudeln sind nur eines von vielen Beispielen.

Die Leute sind ebenfalls wieder eher "chinesisch". Gemeint ist, dass sie im Vergleich zu den Japanern selten soetwas wie "Manieren" anwenden, zumindest so wie Westliche dies definieren würden. ABER die Koreaner sind WEIT über den Barbaren in China angesiedelt, Korea ist überall absolut zivilisert. Doch auch Korea hat Manieren: es gilt eine große Respekthaltung gegenüber jedem, der Älter ist. Auch Touristen gegenüber, weswegen es manchmal schon etwas unangenehm war, wenn Hostelpersonal nach Erfahren meines Alters schlagartig das Verhalten änderte. Nicht, dass Ältere Jüngeren gegenüber automatisch unhöflich wären!

Am Ende besagten Radweges liegt Busan und ich hatte bereits Pläne zur Weiterreise.

Korea ist angenehm und leicht zu bereisen. Allgemein wird ausreichend englisch gesprochen, in den Großstädten ganz besonders.

Apropros Englisch: im Blog zu Zentralasien erwähnte ich eine schicksalhafte Begegnung auf die ich damals noch nicht weiter eingehen wollte. Nun ist es so weit :)

Ich hatte die Idee in Japan Englisch zu unterrichten, anstatt in Australien Obst zu pflücken.

In Kirgistan saß ich mit den anderen deutschen Radlern im Hostel am Tisch, als eine große, asiatische Reisegruppe hereinstürmte. Nach etwas Hinhören wusste Niemand so wirklich, was das sein könnte; es klang weder chinesisch und japanisch schon gar nicht, nach Südostasien sahen die auch nicht aus.

Koreaner! Wir unterhielten uns eine Weile und eine der Damen reagiert auf meine Pläne:

"Ich habe eben mit meinem Mann dort gesprochen. Er ist Direktor an einer Hochschule in Seoul; sag Bescheid wenn du da bist, wir haben was für dich."

Irgendwo im kirgisischen Gebirge lernte ich also Leute kennen, welche mir eine Stelle als Englischlehrer in Seoul geben konnten. Irre oder nicht irre?! :)

Aus dem Plan wurde aber nichts, meine Asienmüdigkeit schiebt mich geradezu Richtung Australien, wo ich dann doch lieber Deppenarbeit mache. Da gibt's auch besseres Essen.

Schlussendlich verbrachte ich in Busan noch einige letzte Tage zur Vorbereitung auf meinen Flug in das asiatische Finale - zum Glück, denn so müde ich von Asien auch bin, Korea durfte SO nicht das Finale sein.

Unter'm Strich war Korea längst nicht, was ich erwartet hätte, doch was soll man tun? So ist das Reisen nunmal.

Als Erfahrung hat meine Zeit dort allemal ihren Wert und ich will sie nicht missen.

Ich mein' hey: in Seoul stellt man an tausenden Kreuzungen Sonnenschirme auf, damit den Leuten im Sommer nicht die Hirnwindungen frittiert werden! :)

Und zu der Zeit war im Land Wahlkampf! Überall Gruppen, welche an den Kreuzungen standen und zu viel zu lauter, unangenehmer Musik albern tanzten und winkten, während sie Schilder von dem Typen der gewählt werden soll hochhielten.

Also Unterhaltung gab es genug.