Erleichterung

Wenn es in der langen Liste der südostasiatischen Länder für den Verlauf meiner Reise ein Land gibt, in das ich viele Hoffnungen setzte, dann findet sich Thailand ganz oben.

Nicht nur, dass ich hoffte in Thailand alles zu finden, was ich mir zuvor für ganz Südostasien ausgemalt hatte, nein, auch rein technisch sollte es dort zu abschließenden Lösungen meiner Probleme kommen.

Und wie soll ich sagen? Thailand reiht sich neben oben genannter Liste gleichzeitig in die Liste der Länder, welche meine Vorstellungen und Hoffnungen treffend erfüllt haben :)

Thailand ist und hat alles, worunter ich mir zuvor nahezu komplett Südostasien vorgestellt habe - vom Linksverkehr mal ganz abgesehen. Supermärkte anstatt winziger Tante-Emma-Lädchen, mehr und besseres Westfutter und bessere (in diesem Fall gesündere weil von Straßen distanziertere) Möglichkeiten sich mit Obst zu versorgen. In Thailand war alles irgendwie einfacher als im Rest Südostasiens. Sogar das Radfahren als Solches.

Nachdem es den ersten Tag nach dem Grenzübertritt, welcher durch den Wechsel auf Linksverkehr verwirrender kaum hätte sein können lediglich 70km in das Land hinein ging folgte ein Satteltag, wie ich ihn nie zuvor erlebt habe.

Er hätte ganz banal nach mehr oder weniger durchschnittlichen 120km in einer Unterkunft an der Hauptstraße enden sollen - tat er aber nicht. Es war den ganzen Tag bewölkt und die fehlende Sonne, welche mir schon mein Leben lang die Kraft raubt, sorgte für ein längst vergessenes Energieniveau: anstatt also an der geplanten Unterkunft zu bleiben schoss ich buchstäblich weiter - bis ich plötzlich und irgendwie "aus Versehen" in Bangkok stand. 221km an einem Tag, die Beine waren nicht aus dem Takt zu bringen und es rollte und rollte einfach wie von selbst. Hochinteressant zu was ich in der Lage bin, sobald nur die Sonne mal nichts zu melden hat!

Da war ich nun also in Bangkok. Ein Name, der jedem etwas sagt, nicht zuletzt durch lustige Kinofilme. Ich selbst habe mich der Verwirklichung solcher Drehbücher entzogen, doch neben dem obligatorischen Rundblick durch die wenigen interessanten Plätze, die solch große Städte zu bieten haben gab es natürlich noch den Pflichtbesuch beim örtlichen Fahrradschamanen. Mein uralter Schaden an der Rohloff-Schaltung, zustandegekommen beim Grenzübergang von der Türkei in den Iran, wurde hier von Joe, einem Meistermechaniker einer offiziellen Partnerwerkstatt von Rohloff aus der zwar durchaus funktionstüchtigen, aber dennoch nicht originalen Improvisation behoben und in den Originalzustand zurück versetzt. Ab sofort kann ich das Hinterrad wieder an- und abnehmen ohne mehr und mehr graue Haare zu züchten! :)

Mehr als 7000km hat die in Teheran erdachte Improvisation ihren Dienst getan: das Schalträdchen am Ende der Schaltzüge an Ort und Stelle zu halten, sodass es nicht vom Schaltauge der Rohloff-Nabe fällt. Leider war diese Konstruktion äußerst schwierig zu montieren, wenn man die Plastikbox einmal entfernt hatte.

Die Schaltbox ist wieder original und mit einer einzigen, super passenden Schraube einfach zu montieren :)

Joe zog außerdem neue Schaltzüge, setzte neue Bremsmatten ein, wechselte das Öl auf der Nabe und gab mir ein Wechselset des Öls mit - weiß der Teufel, wo der nächste Wechsel fällig ist!?

Der Widder war also wie gut angefüttert und mit gefeilten und neu beschlagenen Hufen bereit den Rest der Welt zu sehen. Von so viel guter Vorbereitung für das, was da noch so kommt beruhigt, konnte ich mir ganz entspannt eine nahe gelegene Tempelanlage inmitten Bangkoks ansehen - mit einem schlafenden Buddha, welcher mal eben 50m lang ist. Warum auch nicht?

Wie sonst überall auch gilt in Thailand: "Je mehr Buddhas, desto besser."

Viel mehr Bangkok habe ich nicht gesehen. Falls du, mein lieber Leser, diese Stadt einmal besuchen möchtest, merke dir nur einen Tip: versuche so viel wie möglich über die Bus-Boote zu machen, denn die Flussfahrten sind wunderbare Abwechslungen zum extrem dichten Verkehr in dieser Hölle aus Beton, Stahl und Glas.

Thailand fiel mir gegenüber sehr schnell als weiter entwickeltes Land auf. Der Eindruck entstand vor allem durch die Fahrzeuge, welche mich durch das Land begleiteten. In Bangkok allerdings überholten mich plötzlich wieder Busse, dessen Abgase Land enthalten. Man spührt förmlich wie einem winzige Bröckchen in's Gesicht fliegen. Derartige Krebskatapulte habe ich selbst in Laos und Vietnam selten gesehen....bzw gefühlt. China war da eher die richtige Adresse.

Nunja, so gab es nach der Pflege des Widders und etwas Tempelanlagengucken keine Gründe mehr zur Verweilung.

Also ab in den Süden. Es war weiterhin einigermaßen angenehm, die sonst so aggressive Sonne hielt sich etwas bedeckt und die Tage im Sattel gingen ohne großes Leid über die Bühne. Nichtsdestotrotz habe ich mich reif für Urlaub gefühlt, denn Vietnam konnte mir nicht wirklich liefern was ich wollte. Da war es klar, dass die nächste Fähre von Chumpon nach Koh Tao mich als Gast haben würde - und der Urlaub konnte kommen.

Koh Tao ergab auch erstmals gute Gelegenheiten die Unterwasserkamera zu testen :)

Gemessen an den Lichtverhältnissen und eher spärlichen Motiven kann man sich echt nicht beschweren. Eine überteuerte GoPro braucht echt niemand!

Koh Tao war echt schön, einige Tage süßes Nichtstun bei gelegentlichem Schnorcheln und Abtauchen.

Der Spaß konnte allerdings nicht ewig dauern, denn wie bei so vielen Orten auf der Reise bis dato gab es immernoch einen gewissen Zeitplan einzuhalten. Ende des Monats Januar stand auf dem Plan in Phuket zu sein.

Aus Gründen.

...

Die tollsten zwei Gründe, die ich haben könnte irgendwo pünktlich anzukommen. :)

Zusammen mit meinen lieben Eltern, welche extra für mich fast bis ans Ende der Welt geflogen sind, habe ich in Phuket die schönsten zwei Wochen seit langem verbracht - wenn wir von zeitlich so gar nicht passender Krankheit absehen.

Viel gutes Essen und einige Touren in mehr oder weniger nah gelegene Magneten für Touristen.

Das letzte Mal sahen wir uns in Thessaloniki, Griechenland. Eine lange Zeit ist seitdem vergangen und wir alle haben uns an unserem Wiedersehen erbaut :)

Felsformationen, innerhalb von eben Solchen versteckte Lagunen, Bambusboote, Kaffee aus einem Bambushalm,...viele schöne Bilder und Erinnerungen teilen wir nun aus dieser Zeit, welche natürlich auch irgendwann zuende sein musste...

Am Abend meines Geburtstages (bin wirklich schon 29 - anstatt zu hoffen noch iiiirrrgendwie "Mitte Zwanzig!" sagen zu dürfen muss ich nun froh sein überhaupt noch "...zwanzig" anhängen zu dürfen.) trennten sich unsere Wege wieder. Niemals haben sich meine Eltern träumen lassen, dass sie jemals einen Fuß nach Asien setzen würden. Witzig, wie die Begebenheiten sich ändern können :)

Für sie ging der Flieger zurück nach Deutschland, nach Kälte, Trist und Matsch.

Entgegen meiner ursprünglichen Pläne setzte ich meine Fahrt nach Malaysia und Singapur nicht fort. Das Klima war zu brutal und die Reise würde zu lange dauern. Da ich einen fixen Termin zur spätesten Ankunft in Japan hatte, hätte nur unnötig viel von der Zeit auf dem davor platzierten Ziel wegfallen müssen.

Da ich mir von der Strecke durch Malaysia abgesehen von zwei kleinen Gegenden nichts versprach hatte ich keinerlei Kopfschmerz diese aufzuschieben und mir meine Zeit an einem ebenfalls speziellen Ort zu sichern: die Philippinen!

Die Saison vor Ort stand in den Startlöchern. Die Saison für Touristen der besonderen Art. GROßER Art.

Hoffentlich bekomme ich sie zu Gesicht. :)

Südostasiatischer Urlaub: die letzten 4 Wochen!